ETL 180 Brunsbüttel - Hetlingen

Pipeline für mehr Versorgungssicherheit

Aktuell steht der deutsche Erdgasmarkt vor umfassenden Veränderungen. Tatsache ist: Der Energieträger Erdgas spielt heute eine wichtige Rolle im aktuellen Energiemix - insbesondere im Wärmemarkt und im Industriesektor – und  wird auch weiterhin einen großen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Aufgrund seiner Funktion als CO2 -ärmster fossiler Energieträger bleibt Erdgas eine zentrale Säule für die nächste Phase der Energiewende, die wesentlich durch den politisch beschlossenen Abschied von der Kernenergie sowie den aktuell diskutierten Ausstiegspfad aus der Kohlekraft gekennzeichnet ist. Diese Aufgabe aber lässt sich nur erfüllen, wenn auch die bestehende und zukünftige Gasinfrastruktur darauf vorbereitet ist.

Aktuelle Informationen zum Projekt

Erdgas aus möglichst vielen Quellen

Aus welchen Aufkommensquellen lässt sich der deutsche Erdgasbedarf in Zukunft decken? Bereits innerhalb der nächsten anderthalb Jahrzehnte stehen Erdgasmengen sowohl aus Deutschland als auch aus wichtigen Lieferländern wie zum Beispiel den Niederlanden, Dänemark und Norwegen ganz oder zumindest teilweise dem deutschen Erdgasmarkt nicht mehr zur Verfügung. Davon ist nicht nur die nationale Versorgung betroffen, sondern auch der europäische Erdgasmarkt, da große Mengen durch Deutschland in die angrenzenden Staaten transportiert werden. Eine Antwort hierauf könnte LNG sein, also verflüssigtes Erdgas, das mit großen Tankschiffen transportiert wird. Die Bundesregierung hat den Aufbau einer LNG-Infrastruktur in Deutschland als Ziel in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben und im Juni 2019 dafür den notwendigen gesetzlichen Rahmen durch Änderung der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) geschaffen.

Am Standort Brunsbüttel an der Elbe verfolgt das Unternehmen German LNG Terminal GmbH (GLNG) derzeit Pläne, das erste deutsche LNG-Import Terminal zu errichten. Um das Gas dem deutschen und europäischen Markt zur Verfügung zu stellen, hat GLNG bei Gasunie Deutschland  einen Antrag für den Bau der Anschlussleitung bzw. die  Schaffung der notwendigen Einspeisekapazitäten gestellt. Dabei handelt es sich um ein formalisiertes Verfahren, das in der Gas-Netzzugangsveriordnung (GasNZV) festgelegt ist. Gasunie Deutschland ist danach verpflichtet, eine solche Anschlussleitung zu realisieren. Je nach Entscheidung für die endgültige Trasse wird die Pipeline, mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern und einem Auslegungsdruck von 84 bar, etwa 55 bis 65 Kilometer lang sein.

Gasunie Aktivitäten in Schleswig-Holstein

Das Netz von Gasunie stellt das Rückgrat der Gasversorgung in Schleswig-Holstein dar und verbindet den deutschen mit dem dänischen und skandinavischen Energiemarkt. Seit mehr als 30 Jahren sind wir in Schleswig-Holstein als Fernleitungsnetzbetreiber aktiv. Hierbei können wir auf unsere bedarfsgerecht ausgebaute und hoch verfügbare Infrastruktur zurückgreifen.

Das Netzwerk von Gasunie in Schleswig-Holstein

Erdgastransportleitung DEUDAN

  • 110 km zwischen Ellund und Quarnstedt
  • errichtet 1982, erweitert 1996
  • Anteilseigner Gasunie (75 %) und  Open Grid Europe (25 %)  

Ursprünglich errichtet zum Transport in Nord-Süd-Richtung, um dänisches Erdgas für die deutschen Verbrauchen zur Verfügung zu stellen, erfolgte im Oktober 2010 die Umkehr der Flussrichtung vor dem Hintergrund einer signifikant rückläufigen dänischen Erdgasproduktion aus der Nordsee.

Erdgastransportleitung Fockbek-Ellund (ETL 176)

  • 64 km zwischen Fockbek und Ellund
  • errichtet 2014/2015

2 Verdichterstationen

  • Verdichterstation Quarnstedt
  • Verdichterstation Ellund

Grüngas-Projekte

  • Anbindung Power-to-Gas Anlage (Einspeisung Wasserstoff)
  • Biogas-Einspeiseanlage (Einspeisung Bio-Methan)

In engem Dialog mit Öffentlichkeit und Behörden

Bau einer Erdgas-Pipeline - offene Verlegung

Die Planung und Verlegung einer neuen Erdgastransportleitung erfolgt in enger Abstimmung mit den Menschen vor Ort, den Kommunen und zuständigen Behörden. Gasunie verfügt über viele Erfahrungen aus anderen Infrastrukturprojekten in Deutschland und den Niederlanden. Raumordnung und Planfeststellung sind die beiden entscheidenden Genehmigungsverfahren, die Gasunie im Fall der Erdgastransportleitung zwischen Brunsbüttel und Hetlingen durchläuft. Beide Verfahren sehen auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung vor, hier haben die Bürgerinnen und Bürger ebenso wie die Träger öffentlicher Belange - dazu zählen unter anderen Bundes- und Landesbehörden, Unternehmen aus der Energie- und Wasserversorgung, Betreiber von Telekommunikationsnetzwerken sowie Umweltverbände - die Gelegenheit, sich mit Anregungen und Vorschlägen in die Verfahren und damit in die Planung der Leitung einzubringen.

Übersicht über die einzelnen Prozessphasen

Aktuell befindet sich Gasunie in einer frühen Phase des Verfahrens. Im März 2019 wurde ein Raumordnungsverfahrens nach § 15 Raumordnungsgesetz eingeleitet. Genehmigungsbehörde ist die Landesplanung Schleswig-Holstein des Ministeriums für Inneres, ländliche Räume und Integration. Am Ende der Raumordnung steht die "Landesplanerische Feststellung", mit der die Behörde einen der von Gasunie untersuchten Planungskorridore als Vorzugskorridor für die weitere Detail-Planung der Erdgastransportleitung zwischen Brunsbüttel und Hetlingen ausweist. Als nächsten  Genehmigungsschritt bereitet Gasunie dann das Planfeststellungsverfahren vor. Verfahrensführende Behörde ist hier das Amt für Planfeststellung Energie im Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung. Auch dieses Verfahren sieht eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit vor. Geplant ist die Einreichung des Planfeststellungsantrags in der zweiten Jahreshälfte 2020. Der Zeitplan des Leitungsbau-Projektes orientiert sich dabei an dem geplanten Inbetriebnahme-Zeitpunkt des Terminals in Brunsbüttel.

Kommunikation begleitet alle Projektstufen

Für die Akzeptanz großer Infrastruktur-Projekte spielt Kommunikation mit allen Zielgruppen eine wichtige Rolle. Dies gilt für alle Projekt-Phasen, vom Beginn der Bodensondierungen über die Planfeststellung  bis zu den  Bauausführungen und dem späteren Betrieb der Leitung. Ob Bürger, Politiker oder Journalisten - Gasunie sucht aktiv den Dialog mit der Öffentlichkeit. Bereits begleitend zum Raumordnungsverfahren - also sehr früh im Prozess - haben wir mit Vertretern von Ämtern und Gemeinden und Medien das Gespräch geführt. Entlang der Trasse wurden Info-Veranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger durchgeführt. Hierbei ergaben sich auch für uns interessante Hinweise auf die Durchführung des Projekts. Im Zuge der weiteren Entwicklung wird Gasunie die Kontakte mit der Politik, dem Bauernverband Schleswig-Holstein sowie der Öffentlichkeit und den unmittelbar Betroffenen intensivieren.

Die nächsten konkreten Schritte

  • August 2019 – Start der Vorbereitungen von Baugrunduntersuchungen
  • September 2019 – Erwartete Landesplanerische Feststellung zur Vorzugstrasse
  • Oktober 2019 – Start der Durchführung von Baugrunduntersuchungen

Beschafferprofil

Sollten Sie als Unternehmen Interesse an einer Leistungserbringung bei diesem Projekt haben, verweisen wir auf unser Beschafferprofil.

Fragen und Anregungen aus dem bisherigen Bürger-Dialog

Warum wählt Gasunie für den Trassenverlauf nicht den kürzesten Weg von Brunsbüttel nach Klein Offenseth oder Quarnstedt?

Diese Alternative erscheint auf den ersten Blick tatsächlich vorteilhafter, zumal wir als Vorhabenträger ein hohes Interesse haben, Kosten zu reduzieren und Eingriffe in Natur und Landschaft zu minimieren.

Die direkte und kürzeste Verbindung von Brunsbüttel zu unserem Bestandssystem liegt in östlicher Richtung im Bereich Klein Offenseth/Quarnstedt mit einem Anschluss an die sogenannte DEUDAN-Leitung. Aus kapazitiven und netzhydraulischen Gründen (verfügbare technische Kapazitäten zum physischen Abtransport der in Brunsbüttel eingespeisten Gasmengen) ist ein Anschluss der geplanten Leitung an das bestehende Leitungsnetz der GUD allerdings erst etwa zwischen der Gemeinde Hetlingen im Norden (ca. 8 km nördlich der Elbe) und Stade im Süden (ca. 12 km südlich der Elbe) realisierbar. Erst hier verfügen wir über ausreichende Kapazitäten (zwei Bestandsleitungen) um den späteren Transport sicherzustellen. Eine Trasse weiter östlich zu den aktuell im ROV untersuchten Trassen würde zu erheblichen Mehrlängen im späteren Pipelinebau führen und so nicht nur die Kosten, sondern auch den Eingriff in Natur und Landschaft sowie die Betroffenheit Dritter wesentlich erhöhen.

Welche Erfahrungen hat Gasunie beim Pipeline-Bau in Marschböden?

Der Bau von Leitungen in Marschböden ist bautechnisch schwierig und erfordert besondere Kenntnisse und Erfahrungen seitens der ausführenden Baufirmen. Entsprechend wird bei der Auswahl der Baufirma auf Erfahrungen mit Leitungsverlegung in Marschböden hoher Wert gelegt. Außerdem wird der Bau der Leitung von einem erfahrenen Bodenkundler (bodenkundliche Baubegleitung) mit nachgewiesener Kenntnis der bautechnischen Besonderheit von Marschböden begleitet.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass Gasunie ein über 15.500 Kilometer langes Transportnetz in Deutschland und den Niederlanden betreibt. Deshalb sind wir mit dem Thema anspruchsvolle Bodenverhältnisse bestens vertraut.

Wie geht Gasunie mit Drainagen in der Bauausführung um?

Drainagen werden während der Bauzeit abgefangen und anschließend durch eine qualifizierte Fachfirma wieder hergestellt.

Um Schäden an Drainagen vermeiden zu können, ist es wichtig, dass frühzeitig – z.B. im Zuge des Rechtserwerbes – Informationen über vorhanden Drainagen bzw. Drainagefelder, bevorzugt Drainagepläne, übergeben werden, so dass diese bereits in der Planung berücksichtigt werden können.